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„... wie Waschen ohne Wasser!“
Gertrud Himmelsbach, Reinigung Himmelsbach in Freiburg

Sie sind seit Ihrer Jugend eng mit dem Freiburger Münster verbunden. Als 15-Jährige haben Sie eigenhändig das kriegszerstörte Münsterdach wieder gedeckt…

Himmelsbach: …ja, nach dem Bombenangriff im November 1944 war das ganze Dach des Münsters zerstört, die Ziegelsteine waren kaputt, und der Schutt war in die Gewölbe gefallen. Es musste sehr schnell Abhilfe geleistet werden, weil sonst die Gewölbe, die auch noch die Schneelast zu tragen hatten, durchgebrochen wären. Da niemand anderes da war, der helfen konnte, hat man uns in der Pfarrjugend, in allem etwa 20-25 Buben und Mädchen zwischen 14 und 16 Jahren, dazu aufgerufen. In dieser Zeit hatten wir ja keine Schule. Bis die Franzosen im April 1945 gekommen sind, sind wir jeden Tag aufs Münsterdach gestiegen und haben zuerst den ganzen Schutt aus den Gewölben rausgeholt. Er wurde in einer Kiste am Seil durch die Münsterdecke runtergelassen. Dann wurde die leere Kiste wieder hochgezogen. Das Hoch- und Runterlassen geschah mit einem riesigen Laufrad, in dem meistens wir Mädchen gehen mussten. Dank einer Spende gab es neue Ziegel, die auf die gleiche Weise hoch transportiert wurden und mit denen wir dann das Mittelschiff gedeckt haben. Ich bin also fast eine ausgebildete Dachdeckerin…


War die Arbeit nicht gefährlich?

Himmelsbach: Sicher war es auch sehr gefährlich, aber es ist – Gott sei Dank – nichts passiert. Wir selbst waren uns damals der Gefahr und der schweren Arbeit nicht bewusst. Wir waren stolz, dass wir helfen konnten. Ich musste immer abends meine Handschuhe wieder zusammenflicken, weil sie von den rauen Ziegeln zerrissen waren. Wenn Tiefflieger kamen, mussten wir ganz schnell ins Münster rein. Während meiner Arbeit auf dem Münsterdach sind mehrmals Tiefflieger gerade auf mich zu-, dann aber über mich hinweg geflogen. In diesen Situationen hatte ich Angst und dachte ´jetzt schießen sie mich tot`. Allerdings hatten wir bei der Arbeit natürlich auch unseren Spaß. Wir konnten dabei das Münster erkunden. Ich glaube, ich kenne jeden Gang, jede Treppe und jedes Türmchen im Mittelschiff, im Hochchor und am Hauptturm. Wenn es geschneit hat, haben wir auf der Plattform auch mal eine Schneeballschlacht gemacht.


Auch heute setzten Sie sich mit Ihrer Familie für das Münster ein. Unter anderem hat die Reinigung Himmelsbach eine Steinpatenschaft für den Münsterturm übernommen. Haben Sie sich dabei für einen bestimmten Stein entschieden?

Himmelsbach: Wir sind Paten für ein Maßwerkteil am Turmhelm, etwa auf halber Höhe. Mein Sohn Christian hat mir unseren Stein im Internet auf www.wir-bauen-mit.de gezeigt, er befindet sich ganz in der Nähe des Patensteins von Papst Benedikt.


Was könnte andere Freiburger Unternehmen motivieren, auch eine Steinpatenschaft zu übernehmen?

Himmelsbach: Ich finde, es tut gut in unserer schnelllebigen Zeit, eine Sache zu unterstützen, die langfristig angelegt ist. Der Patenstein erinnert auch die nachwachsende Generation, meine Kinder und Enkel, daran, dass hauptsächlich wir Bürger das Münster erhalten müssen.


Bitte vervollständigen Sie den Satz: Freiburg ohne Münsterturm wäre wie…

Himmelbach: …Waschen ohne Wasser.

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