„... wie eine Stadt ohne Seele!“
Eugen Martin †, Freiburger Unternehmer und Ehrenbürger
Herzlichen Glückwunsch zum Großen Bundesverdienstkreuz! Inwieweit haben sie diese Auszeichnung auch für Ihren Einsatz für das Freiburger Münster erhalten?
Martin: Dankeschön. Ich habe es für etwas bekommen, was für mich seit über 50 Jahren eine Selbstverständlichkeit ist: Mich zu engagieren, insbesondere für junge Leute und natürlich auch für das, was man das Herz von Freiburg nennt und das ist nun mal das Münster.
Sie haben vom Erzbischof und vom alten Münsterbaumeister Manfred Saß den Ehrentitel „Ritter des Münsterturms“ erhalten. Warum liegt Ihnen gerade der Münsterturm am Herzen?
Martin: Weil der Münsterturm für alle Freiburger etwas Besonderes ist. Wenn es um das Münster geht, sind sich alle einig. Der Münsterturm ist nicht nur das Wahrzeichen der Stadt und nicht nur laut Jacob Burckhard der „schönste Turm der Christenheit“, sondern er war gerade nach dem Krieg, als die Stadt in Trümmern lag, ein Zeichen der Hoffnung. Er war zwar zerzaust, aber mitten in diesem Bombenteppich weitgehend unbeschädigt geblieben. Das kann man nur als Wunder bezeichnen.
Gibt es andere besondere Lebenserinnerungen, die Sie mit dem Münsterturm verbinden?
Martin: Davon gibt es eine Fülle. Aber eine der schönsten ist, wie man als Bub die über 300 Stufen der Wendeltreppe auf den Turm gestiegen ist. Heute machen das meine Enkelkinder, ich nicht mehr, aber meine Frau keucht dann hinterher. Mein ältester Enkelsohn hat die Oma einmal wieder geplagt, als erstes wenn er nach Freiburg komme, wolle er wieder auf den Münsterturm steigen. Als sie oben beim Turmwächter waren, sagte er, „Oma, ich muss mal“, allerdings wollte er partout nicht das Klo des Turmwächters benutzen, sondern nur das Zuhause. Daraufhin sind die beiden wieder runter gestiegen, aufs Fahrrad und ab nach Hause geradelt. Als er dann dort sein Geschäft erledigt hatte, sagte er, „aber jetzt gehen wir wieder auf den Münsterturm!“ So hat er die Oma zum zweiten Mal an einem Tag auf den Turm gejagt.
Sie sind Gründungsmitglied der Initiative „Wir bauen mit!“ wie sind Sie dazu gekommen?
Martin: Weil das Münster viele dringend notwendige Reparaturen schon seit Jahrzehnten aus Geldmangel vor sich herschiebt, hatte ich dem Erzbischof vorgeschlagen, ein Kuratorium zu begründen, mit dem wir Großspender aus der Wirtschaft gewinnen wollen. Das Münster ist vor 700 Jahren ja nicht vom Adel oder der Kirche gebaut und finanziert worden, sondern von der Bürgerschaft und den Zünften, sprich der damaligen Wirtschaft. Damals hatte Freiburg ein paar tausend Einwohner, die dieses grandiose Bauwerk finanziert haben. Es wäre eine Schande, wenn wir heute mit mehr als 220.000 Einwohnern nicht in der Lage wären, es zu erhalten. Ich gehöre auch zu den Gründern der Stiftung Freiburger Münster, denn es ist für uns eine Verpflichtung gegenüber den Altvorderen, unser Wahrzeichen zu erhalten. Man soll von Kultur nicht nur reden, man soll sie auch praktizieren.
Bitte vervollständigen Sie den Satz: Freiburg ohne Münsterturm wäre wie ...
Martin: ... eine Stadt ohne Seele, einfach undenkbar.
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